AKT IV

Ashas Apartment – am nächsten Morgen

Alec kniff seine Augen gegen das Sonnenlicht, das ihn weckte, zusammen. Er versuchte sich von dessen unwillkommener Anwesenheit wegzudrehen und stöhnte vor Schmerzen. Indem er sich langsamer bewegte, schob er die Decke, unter der er gelegen hatte, zur Seite und setzte sich auf, wobei er mit seinen Händen über sein Gesicht rieb. Er blickte auf und sah Asha schlafend in dem Stuhl neben ihm, ihre Knie an die Brust gezogen und ihr Kopf auf ihren Knien. Eine zerlumpte alte Decke rutschte von ihren Schultern.

„Hey.“ Alec streckte seine Hand aus und gab Asha einen sanften Schubs. Bei seiner Berührung wachte Asha sofort auf.

„Selber hey.“ Sie sah ihn genau an.

„Hast du die ganze Nacht dort gesessen?“ fragte Alec sanft, wobei er ihren Blick erwiderte.

„Wie geht es dir?“ frage Asha, Sorge war in ihren Augen zu sehen.

„Großartig!“ grinste Alec. „Ich profitiere glücklicherweise von den erstaunlichen erholungsfördernden Kräften der X-Serien.“

“Lügner,” gab Asha zurück. „Lass mich dir etwas gegen die Schmerzen holen.“ Sie kletterte von dem Stuhl und streckte sich für einen Moment, dann ging sie zum Badezimmer, von wo sie mit einer Dose Tabletten zurückkam, die sie Alec gab.

„Ziemlich starkes Zeug,“ pfiff Alec leise. „Logan nimmt das.“

„Wie geht es ihm?“ fragte Asha.

„Nicht gut. Er kann kaum alleine stehen,“ antwortete Alec, die Sorge stand ihm ins Gesicht geschrieben.

Schweigen setzte sich im Zimmer, als Asha und Alec ihren eigenen Gedanken nachhingen.

„Also, wirst du ein paar von denen nehmen, oder wirst du die nächsten Stunden einfach auf das Etikett starren?“

„Ich verzichte.“ Alec stellte die Dose ab und stand auf, wobei er sich steif streckte. „Ich muss nur die Knoten loswerden.“

“Bist du sicher? Du musst hier nicht den Superhelden spielen, um dieser zerbrechlichen menschlichen Frau zu imponieren.“ Asha trat dichter an ihn heran, ihr Ausdruck war misstrauisch.

„Zerbrechliche menschliche Frauen haben bewiesen, dass sie sehr wertvoll sein können,“ grinste Alec zurück. „Ein Kerl muss in ihrer Nähe nicht um sein Leben fürchten. Und ich habe herausgefunden, dass sie eine Menge Talente haben.“

„Wie zum Beispiel?“ fragte Asha, ihre Augen fest auf Alecs.

„Mein Gedächtnis hat mich verlassen,“ antwortete Alec mit einem Schimmern in den Augen. „Aber wo du selbst eine bis, vielleicht kannst du etwas demonstrieren?“

„Ich denke, ich kann das aufnehmen,“ antwortete Asha, ihr Gesicht und ihre Stimme ausdruckslos. Sie langte vor und zog Alec zu sich, dann küsste sie ihn sanft auf die Lippen. Sie lehnten sich zueinander, vertieften den Kuss, wobei sie einander umarmten. Nach einigen Momenten traten sie zurück und auf beiden Gesichtern spielten sanfte Lächeln.

„Ich gehe besser zurück. Die Truppen werden ohne meine unterhaltende Anwesenheit nervös.“ Alec warf Asha ein durchtriebenes Lächeln zu, ging dann zur Tür.

“Zieht keine dummen Sachen mehr ab!” rief Asha ihm nach.

„Nicht in einer Million Jahren,“ zwinkerte Alec ihr zu, bevor er die Tür öffnete und im Gang verschwand.

 

Dach der Kommandozentrale, Terminal City

Max stand neben Joshuas Flagge und sah die Menge der Transgenetischen an, die sich auf dem Dach von Terminal City versammelt hatten. Die Überschüssigen standen auf der Treppe und auf dem Hof darunter. Logan und Alec kämpften sich ihren Weg durch die Menge, bis sie es schließlich die Treppe hinauf geschafft hatten und einen Platz neben Joshua in der Nähe der Flagge gefunden hatten. Logan traf Max’ Blick und lächelte ihr sanft zu.

Max entgegnete das Lächeln, dann drehte sie sich zur Menge. „Die 24 Stunden sind um, Leute. Ich habe Kontakt zu Clemente da draußen gehalten. Die Belagerung ist offiziell vorüber.“

Die Menge stand für einen Moment schweigend da, dann brach sie in ohrenbetäubendes Geschrei aus. Alec griff Logans Hand und riss sie in die Höhe. Joshua schlang seine Arme um Max, dann drehte er sich zu Alec und Logan und nahm beide in seine Arme. Logan strengte sich an, um über Joshuas Schulter zu blicken, dann traf er Max’ Blick und lachte laut.

Max sah Logan an, ein zufriedenes Grinsen auf ihrem Gesicht. „Hört zu, Leute!“ rief Max über die Menge, als Joshua die Umarmung um seine Freunde lockerte.

Als die Menge zur Ruhe kam, wurde Max’ Gesicht nüchtern. „Ich weiß, dass wir alle unsere neugewonnene Freiheit feiern wollen, aber wir müssen am Ball bleiben. Unsere ortsansässigen Freunde werden alle Hebel in Bewegung setzen, um uns Ärger zu machen.

„Bleibt in kleinen Gruppen zusammen. Zieht keine übermäßige Aufmerksamkeit auf euch. Bleibt auf den großen Straßen. Sucht keine Schlägereien in den Gassen. Es ist mir egal, wie gut ihr drauf hauen könnt. Das letzte, das ich will, ist ein weiterer Biggs.“

Die Stimmung ernüchterte, als die Menge ihre zögerliche Zustimmung nickte.

„Eine letzte Sache,“ sagte Max, und drehte sich um, um wieder Joshuas Flagge anzusehen. „Wir sind endlich da, Leute. Wir haben bekommen, was wir wollten. Wir haben unsere Chance bekommen, ins Licht zu treten. Es wird nicht einfach werden, aber ich kann euch eines versprechen. Es ist es wert.“

Logan sah Max wieder an, ihre Blicke trafen sich und er nickte zustimmend.

 

Kommandowohnwagen, außerhalb der Tore von Terminal City – später an dem Tag

Eine weitere ungestüme Menge hatte sich vor den Toren von Terminal City versammelt. Zum ersten Mal allerdings, waren die Tore offen.

Der Polizei war es gelungen, einen drei Meter breiten Pfad abzusperren, der von den Toren wegführte. Ein langsamer aber stetiger Strom von Transgenetischen ging den Pfad entlang, begleitet von den Sticheleien und gratulierenden Rufen, die alternierend von der Menge kamen.

Einige Officer streckten ihre Hände in gratulierenden Gesten aus. Andere standen zurück,  distanziert, und machten ruhig ihren Job.

Bennett Cale nahm seine Brille ab und rieb sie sauber, wo der beständige Nebel sie beschlagen hatte. Er hatte sein Auto ein paar Blöcke weiter hinten geparkt. Es war unmöglich, in dem Chaos, das Terminal City umgab, voran zu kommen. Als er am Kommandowohnwagen angekommen war, klopfte Bennett an die Tür.

Ein sehr gehetzter Matt Sung öffnete die Tür und sah den gut gekleideten Mann vor ihm an. „Wie Sie sehen können, sind wir hier sehr beschäftigt. Wenn Sie keine dringenden Geschäfte haben, schlage ich Ihnen vor, dass Sie im Stadtzentrum einen Termin machen.“

„Ich... Ich muss Logan Cale sehen,“ gab Bennett schnell zurück. „Soweit ich weiß ist er da drinnen.“ Bennett deutete in Richtung der Umzäunung, die Terminal City umrundete. „Ich dachte, Sie können mir mit einem Pass oder was immer ich brauche helfen.“

„Wir geben nicht gerade Besucherpässe für Terminal City aus,“ Sung dirigierte Bennett in den überfüllten Wohnwagen. „Woher genau kennen Sie Logan Cale? Mister....“

„Cale. Logan ist mein Cousin... Es ist wichtig, dass ich ihn sehe,“ kam die Antwort.

„Mr. Cale, falls sie es noch nicht bemerkt haben sollten, wir haben eine Menge zu tun. Familientreffen auszurichten hat gerade keine Priorität.“ Matt starrte Bennett ungeduldig an.

„Sehen Sie, Detective, ich muss meinen Cousin treffen. Werden Sie mir helfen, oder soll ich andere Möglichkeiten ausschöpfen?“ entgegnete Bennett kühl.

„Terminal City ohne Autorisation zu betreten ist ein strafbarere Angriff.“ Sung sah Bennett an, denn drehte er sich um und sprach leise in sein Telefon. Einen Moment später sah er zurück zu Bennett und sagte, „Ich bringe Sie zu dem Tor. Danach kann ich Ihnen nichts versprechen.“

 

Zaun an der nördlichen Begrenzung, Terminal City

Joshua und Gem patrouillierten an der nördlichen Umzäunung und beobachteten die Menge, als die Transgenetischen ihren Weg durch das Eingangtor nahmen. Als sie sich dem Tor näherten, bemerkten sie, dass Cain und Regina auf sie zukamen, beide trugen überladene Rucksäcke.

„Cain, wo gehst du hin?“ rief Gem, als sie und Joshua zusahen, die beiden zu erreichen.

„Hey, Gem, Joshua,“ Cain hielt an und lächelte sie an. „Habe mir einen Auftritt in der französischen Bäckerei in der Innenstadt organisiert. Sieht so aus, als ob es nicht genügend französische Patisseure in Seattle gibt.“

„Das ist toll, Cain,“ lächelte Gem, ein Hauch von Neid in ihrem Ausdruck.

„Ich wusste, dass der Einsatz, den ich vor ein paar Jahren in Paris hatte, sich eines Tages auszahlen würde,“ grinste Cain.

„Nimmst du Reggie mit dir?“ frage Joshua.

“Ja. Ich habe uns eine kleine Wohnung nicht weit von dem Laden organisiert. Reggie beginnt am Montag mit der Schule. Eine tragische Geschichte,“ fügte Cain mit einem verschmitzten Zwinkern hinzu. „Wir sind gerade von Tacoma hierher gezogen. Unsere Eltern wurden in einem enormen Wohnungsbrand getötet. Wir haben alles verloren. Auch alle unsere Dokumente wurden zerstört. Mein Boss war sehr verständnisvoll, er hat uns geholfen, neue IDs zu bekommen.“

„Bist du sicher, dass du klar kommst?“ fragte Gem, Vorsicht in ihrer Stimme.

„Ja. Er weiß es. Mein Boss, meine ich. Er ist cool,“ fügte Cain nüchtern hinzu. „Reggie und ich sind die einzigen, die von unserer Einheit übrig geblieben sind. Das ist unsere Chance, ein neues Leben anzufangen.“

„Viel Glück,“ lächelte Joshua. „Ihr seid jetzt frei.“

„Ja, viel Glück,“ fügte Gem wehmütig hinzu, als Cain und Reggie sich den Transgenics anschlossen, die auf das Tor zugingen.

“Gem, wo wirst du hingehen, jetzt wo wir frei sind?” fragte Joshua, als sie ihre Patrouille wieder aufnahmen. Sie hielten für einen Moment an, um die Polizeikontrollen auf der anderen Seite des Zauns zu beobachten.

„Ich weiß nicht, Joshua,“ antwortete Gem, ihr Gesicht von Sorge durchzogen.

„Ich habe ein Haus. Das Baby braucht ein Haus, eine Familie,“ sagte Joshua bedacht. „Ich kann mich um dich und Elfie kümmern.“

„Ich weiß nicht, Joshua,“ wiederholte Gem. “Ich weiß nicht, ob es für uns dort draußen sicher sein wird.“

„Ist es nicht,“ unterbrach Mole, als er sich ihnen an dem Zaun anschloss. „Keine Chance, dass das hier echt ist.“

„Es ist echt,“ sagte Joshua leise.

“Wenn es so echt ist, warum verdoppeln wir dann die Patrouillen?“ forderte Mole ihn heraus.

„Zusätzliche Vorsichtsmaßen aufgrund der unerwarteten Geschwindigkeit der Lösung,“ sagte Gem tatsachenorientiert. „Ich mache mir nichts vor, wir können hier nicht alle zusammen in einer großen Parade herausmarschieren.“

“Du hast das richtig erkannt,” spie Mole aus. „Es ist egal, ob man uns Amnestie zugesagt hat, oder nicht. Wir werden immer Freaks sein.“

„Ich bin frei,“ beharrte Joshua.

„Sieh dich an, Joshua. Sieh mich an,“ Mole nahm die Zigarre aus dem Mund. „Der einzige Ort, an den wir jemals gehören werden, ist die Kanalisation.“

Er starrte Joshua und Gem an und fügte mit einem Ansatz von Traurigkeit hinzu, „Wir werden niemals frei sein.“ Er warf seine Zigarre auf den Boden und ging weg.

 

Terminal City

Dix ging schnell durch Terminal City, gefolgt von einem erstaunt aussehenden Bennett. Sie hielten vor einem alten Laborgebäude. „Er ist im zweiten Stock. Ich bringe dich hoch.“ Dix brachte Bennett zur Tür von Logans Zimmer, bevor er umdrehte und sich schnell über die Treppe zurückzog.

Bennett starrte Dix für ein paar Sekunden nach, dann hob er die Hand um zu klopfen, doch die Tür öffnete sich. Logan stand dort.

„Was machst du hier, Bennett?“ Logan drehte sich um, ging zurück in den Raum und sah aus dem Fenster. Er wirbelte herum, um Bennett anzusehen. „Hast du im Haus nicht genug gesagt, oder hast du noch ein paar mehr Steine zum Werfen gefunden?“

„Logan… sieh mal… Ich habe ein paar Dinge gesagt… ich wollte nicht…” Bennett kam neben Logan zum Stehen. „Du und ich haben schon als Kinder jeden Scheiß zusammen gemacht. Aber es ist mehr als das. Wir haben eine Verbindung. Das ist der Grund, warum ich dich gebeten habe, mein Trauzeuge zu sein, obwohl es Dad wirklich verärgert hat.“

Logan stand schweigend dar, drehte sich zurück zum Fenster und fixierte mit seinen Augen das kaputte Pflaster drei Stockwerke tiefer.

“Wir haben ein paar wilde Sachen zusammen gedreht. Weißt du noch, als du zehn warst und in Dads Computer gehackt hast? Er hatte ‚Bennett liebt Lucy’ tagelang über seinen Bildschirm laufen. Ich dachte, er würde dich umbringen. Ich dachte, ich würde dich umbringen.“ Bennett lachte laut. „Dein Dad dachte es wäre umwerfend, aber er hat dir für drei Monate Hausarrest gegeben und du hast es einfach akzeptiert. Es war wie ‚Ich habe das gemacht und das ist meine Strafe’.“ Er wandte sich wieder Logan zu, etwas ernüchtert.

Logan unterdrückte ein kleines Lachen und starrte immer noch aus dem Fenster. „Bennett, warum bringst du das jetzt auf?“

„Ich habe dich nie wirklich verstanden... Ich denke, ich bekomme langsam ein Bild davon, wie du tickst...“ sagte Bennett sanft. „Logan, Dads Tod war nicht deine Schuld.“

Logan sagte nichts.

„Wenn überhaupt, dann bin ich mehr verantwortlich. Ich habe für die Firma gearbeitet. Ich hätte wissen müssen, was abging,“ fügte Bennett emotionaler hinzu.

“Du hast ihn nicht hochgehen lassen, Bennett, das war ich,” sagte Logan zu dem Fenster, nicht in der Lage, seinen Cousin anzusehen, seine Stimme voller Emotion.

„Die Cales sind sehr gut darin, sich gegenseitig Schmerz zuzufügen. Wir sind Meister der Kunst, aber Logan, ich lasse es nicht zu, dass du von unserer Familie davonläufst,“ Bennett legte seine Hand auf Logans Schulter. „Du wirst es im Moment vielleicht nicht wollen, aber du bist ein Mitglieder meiner Familie.“

„Bennett...“ begann Logan, endlich Bennett ansehend, seine Augen eine Trauer von tief in ihm reflektierend.

„Logan, sag jetzt nichts... denke nur darüber nach, was ich gesagt habe...“ Bennett hielt Logans Blick, seine Augen verrieten eine ähnliche Traurigkeit. Er sah weg und ging zur Tür. Als er den Türknauf umdrehte, fühlte er eine Hand auf seinem Arm.

„Ich bringe dich zurück zum Tor,“ sagte Logan. Zusammen gingen sie die Treppe hinunter.

 

Crash – den Abend

Max stand mit dem Rücken zur Bar und beobachtete mit einem halben Lächeln, wie die Menge feierte. Die Jam Pony Leute feierten kräftig mit Trig, Glory und einigen anderen Transgenetischen aus Terminal City.

Alec, mit einem Bier in der Hand, schlenderte zu ihr und lehnte sich neben ihr an die Bar.

„Du hast ein gute Sache gemacht, Max,“ sagte Alec leise, seine Augen auf der Menge.

„Huh?“ Max drehte sich um und sah Alec verwirrt an.

„Dass du sie hast herkommen lassen,“ Alec hob sein Bier in Richtung der Menge.

„Ich bin kein Gefängniswärter,“ zuckte Max mit den Achseln.

„Ja, aber wenn du ihnen nicht dein okay gegeben hättest, dann wären sie nicht gekommen,“ beharrte Alec. „Sie hören auf dich, Max.“

„Sie verdienen etwas Freiheit,“ sah Max Alec besorgt an. „Ich weiß nicht, ob ich sie schützen kann. Ich bekomme dieses Gefühl, dass etwas passiert.“

„Wo wir gerade davon sprechen, dass etwas passiert, das Seltsamste ist mir letzte Nacht passiert,“ Alec sah Max an, sein Ausdruck plötzlich ernst.

“Lass mich raten, du hast ein Mädchen getroffen,” sagte Max sarkastisch, dann sah sie Alec ernst an. „Wahrscheinlicher ist, dass du beschlossen hast, dich alleine auf den Weg zu machen und dass du prompt in eine Schlägerei mit unseren ortsansässigen Freunden geraten bist.“

„Ich war nicht wirklich allein,“ verteidigte sich Alec.

„Was auch immer das heißt,“ rollte Max mit den Augen.

„Ich habe diese neueste Fährte verfolgt, auf die Sketchy mich gebracht hat, der neueste Supersaft. Neben dem sehen Anabolika wie Zuckerpillen aus.“ Er zog eine Phiole aus seiner Tasche und gab sie Max. „Es war trotzdem merkwürdig. Es war, als würden die Dealer mich erkennen. In dem Moment, in dem sie mein Gesicht sahen, habe sie ihren Umsatz ganz vergessen. Sie waren hinter mir her, Max. Sie waren vorbereitet. Ich bin kaum da raus gekommen.“

„Was?“ Max sah Alec geschockt an.

„Da geht irgendwas vor, Max,“ sagte Alec betont.

„Ich werde das überprüfen,“ sagte Max mit einem besorgten Gesichtsausdruck. „Halte sie zusammen. Wenn sie hier fertig sind, gehen alle zurück nach Terminal City. Keine solo Sightseeing Trips heute Nacht.”

“Ist klar, Max,” nickte Alec.

„Ich mache mich auf den Weg,“ sagte Max. „Pass auf dich auf.“

„Du auch, Max,“ gab Alec zurück.

Sketchy stürzte ins Crash, als Max hinausging. Er rannte die Treppen hinunter bis dahin, wo Original Cindy und die anderen Fahrer zusammenhockten. Original Cindy sah ihn von oben bis unten an.

„Also, guckt mal hier, wenn das nicht Superboy ist. Wo ist dein Cape, Süßer?“ sagte sie und grinste ihn an.

„Leute, ich werdet’s nicht glauben, aber heute hab’ ich keinen Kater. Es ist, also ob ich überhaupt nicht getrunken hätte. Ich habe alle Päckchen ausgefahren und hatte reichlich Zeit, meinen außerdienstlichen Aktivitäten nachzukommen. Ihr wisst schon, Spuren verfolgen, und so. Ich bin auf meinem Weg aus der Hölle, die Jam Pony heißt. Hey, ich hole den nächsten Pitcher Bier.“ Sketchy ging hinüber zur Bar.

„Jetzt weiß ich, dass der Junge krank ist. Sketchy bietet an, Bier zu holen. Ich habe jetzt ganz offiziell alles gesehen.“ Original Cindy drehte sich zurück zum Tisch.

“Ja, also, ich glaube das, wenn ich es sehe,” murmelte Sky, etwas eifersüchtig. „Vielleicht bekomme ich etwas von dem Saft.“

„Bring Original Cindy nicht dazu, dir auf deinen kahlen Kopf zu schlagen, Idiot. Du hast keine Idee, was du dir da wünschst.“ Cindy sah Sketchy mit einem besorgten Gesichtsausdruck an.

Sketchy erzählte seine Geschichte wiedereinmal jedem, der zuhören würde. „Und dann habe ich eine rechts-links-Kombination benutzt...“

Mac, ein Typ der bis an die Zähne tätowiert war, und an der Bar saß, sagte, „Halt die Klappe, Mann, ich bin so genervt von der Story... also hast du ein paar Zufallstreffer gelandet... ganz tolle Sache.“

„Willst du mich verarschen, Mann... denn dann können wir das gleich klären,“ Sketchy nahm eine Angriffshaltung an, bereit seine Fähigkeiten an einem weiteren Opfer zu testen.

„Sketchy, du Idiot, mach keinen Ärger!“ rief Original Cindy, als sie versuchte einzuschreiten.

Sketchy ignorierte sie und ging zur Tür hinaus, dicht gefolgt von Mac. Sketchy drehte sich um, nur um von Mac direkt am Kiefer getroffen zu werden. Sketchy stolperte zurück, dann nahm er schnell eine Verteidigungsposition ein. Er tanzte herum, sah eine Öffnung und schlug einen Haken in Richtung von Macs Magengegend. Der Haken landete nie, denn Sketchys Gesicht wurde erneut von Macs Faust getroffen. Sketchy brach zusammen und kollabierte auf dem Boden.

„Ich will nichts mehr von deinem Kampf hören, Schlappschwanz,... verstanden?“ Mac sah Sketchy angeekelt an und ging.

Original Cindy lief an Sketchys Seite. “Sketchy, bist du okay?” sagte sie, als sie sich neben ihm hinkniete.

„Ich wusste, dass das Zeug zu gut war, um wahr zu sein,“ Sketchy sah Original Cindy durch unfokussierte Augen an. „Ich wünschte, dass nur einmal etwas das wäre, wonach es aussieht.“ Er wischte seine blutige Nase, stand auf und humpelte mit gesenktem Kopf davon ohne zurückzusehen.

 

Komitee Hauptquartier

Rex Selkirk ging den Flur zu dem großen, gut ausgerüsteten Konferenzraum hinunter. Er lächelte, als er eintrat, und nickte zu der Gruppe von gut angezogenen Leuten, die warteten.

„Meine Damen und Herren, ich denke wir können mit dem Treffen beginnen. Wir haben eine Menge abzudecken. Ich habe nützliche Informationen von Agent Martin bekommen. Er plant, heute zu uns zu stoßen, aber unglücklicherweise wurde er durch eine anhaltende Ermittlung aufgehalten,“ sagte Selkirk.

Die Leute an dem Tisch begannen erwartungsvoll zu murmeln. „Was genau könnte diese Information sein, Rex?“ sagte ein älterer Mann mit einer böse gebrochenen Nase.

„Fangen wir vorne an, Matthew, ich komme darauf.... Wie Sie wissen, hat uns die Zerstörung dieses Flügels von Manticore sehr getroffen und unsere Pläne um mehrere Jahre zurückgeworfen. Wir beginnen langsam unser Genprogramm wieder aufzubauen, aber es wird mehre Jahre brauchen, es vollständig zu implementieren. Deswegen ist es notwendig, so viele Transgenetische wie möglich wieder einzufangen. Wir brauchen die genetischen Informationen, die sie halten und sie können auch sehr profitabel sein,“ lächelte Selkirk in einer räuberischen Art.

“Wie genau planen Sie, das zu tun, Rex?” fragte Kathryn Birman. „Die Belagerung hat die Transgenetischen effektiv beschützt, obwohl die Polizei anderes glaubt.“

„Ahh, also, das ist Teil der guten Neuigkeiten. Ich habe mit unserer netten Gouverneurin gesprochen und es scheint ihr zu passen, die Belagerung aus humanitären Gründen aufzuheben. Bald werden die Transgenetischen in die weite Welt ziehen und es unseren Leuten leicht machen, sie einzufangen.“

„Ich würde das Einfangen von Transgenetischen nicht gerade leicht nennen, Rex,“ sagte ein anderes Mitglied des Komitees trocken.

„Sie haben eine Punkt, Harriet, aber sie sind verletzbarer alleine als in einer Gruppe. Wir haben spezielle Zielobjekte im Auge. Es ist unbedingt erforderlich, dass wir 452, 494 und, wenn wir den Aufenthaltsort von 599 kennen würden, auch ihn wieder einfangen. Dieses sind die besten und wichtigsten Gensequenzen, die wir haben. Alle anderen sind Bonus,“ entgegnete Selkirk.

„Was ist mit Lydecker? Ist er eine machbare Option für uns? Er schien die Transgenics gut kontrolliert zu haben und er hat unbezahlbares Wissen, das wir nutzen könnten,“ fragte Harriet Short.

“Ich fürchte, wir haben Colonel Lydecker verloren, Harriet,“ seufzte Kathryn Birman. „Alle meine Nachforschungen indizieren, dass er eine Elitekampftruppe aus Transgenetischen zusammenstellt. Er hat einige der Flüchtlinge rekrutiert und es sieht aus, als sei er in der Lage gewesen, auch einige der Flüchtlinge von ’09 zur Zusammenarbeit zu bewegen. Er ist einmal gebissen worden und wird den selben Fehler kaum zweimal machen. Zu dumm, wir hätten ihn gut gebrauchen können, auch wenn er uns eine Menge gekostet hat, als er 452 bei ihrem kleinen Abenteuer geholfen hat.“

„Was ist mit der Bedrohung durch die Familiars?“ fragte Matthew. „Sind sie eingedämmt?“

„Es scheint so, als ob Colonel Lydecker bedeutende Unterstützung an der Front geleistet hätte. Aber wir werden ein Auge auf den lieben Colonel haben müssen,“ Selkirk machte eine kleine Pause und lächelte. „Ich habe Ihnen noch eine Sache mitzuteilen. Wir haben eine wichtige neue Waffe, die wir gegen 452 einsetzen können.“

„Und das wäre?“ fragte Kathryn.

„Unser Informant in Terminal City sagte uns, dass 452 in einen Menschen verliebt ist. Wir wissen jetzt, wer es ist.“ Mit einem Schnörkel warf Rex Selkirk ein Bild von Logan Cale auf den Tisch.

 

South King Straße, Sektor 7

Max fuhr mit ihrem Motorrad die South King Straße hinunter, ihr Haar flatterte  im Wind einer seltenen regenfreien Novembernacht. Plötzlich hielt eine Bewegung in einer Gasse sie ihn ihrem Weg auf. Instinktiv wendete sie das Bike und fuhr die Gasse hinunter. Sechzig Meter vor sich sah sie ein Teenager-Mädchen, dessen Hände auf dem Rücken zusammengebunden waren, wie sie wild gegen zwei Männer kämpfte, die versuchten, sie in den Kofferraum eines braunen Sedans zu stecken.

„Gentlemen, es sieht so aus, als wenn die Lady heute Nacht keine Mitfahrgelegenheit sucht,“ sagte Max, als sie hineinrutschte, ihr Stimme tropfte voller Sarkasmus.

Als Antwort kamen zwei Geschosse aus dem Wagen und verhakten sich in ihrer Brust, wo sie schmerzvolle Stromstöße durch ihren Körper sandten. Sie erlaubte sich selbst von dem Motorrad zu fallen und nutzte es, um die Verbindung zu unterbrechen. Innerhalb von Sekundenbruchteilen war sie wieder auf den Beinen und machte einen Salto über das Motorrad. Noch eine halbe Sekunde mehr und sie hatte die Fahrertür geöffnet und das Gesicht des Fahrers schlug auf das Lenkrad. Während sie den Geschossen der Elektroschockgeräte auswich, die von hinten auf sie gefeuert wurden, zog sie den Fahrer aus dem Wagen, schlug ihm seine Waffe aus der Hand und zog die Schlüssel aus der Zündung. Sie drehte das Schloss um, knallte die Tür zu und warf die Schlüssel auf das Dach eines Gebäudes in der Straße.

“Ich schätze, wir haben ein kleines Problem damit, nach Hause zu kommen,” sagte sie zu dem Mann hinter ihr, der seinen leeren Elektroschocker auf den Boden warf und auf sie zu sprang, seine Fäuste flogen. Sie blockte seine Schläge und sprang schnell auf das Dach des Autos um einen Vorteil zu bekommen. Mit erstaunlicher Geschwindigkeit folgte er ihr auf das Dach und blockte ihre Bewegungen. Sie kämpften hart, tauschten Schläge und Tritte aus, jeder blockte die Angriffe des anderen.

Als sie sah, dass sie Verstärkung bekommen hatte, machte die Teenagerin einen erneuten Versuch, sich selbst zu befreien, indem sie den Kofferraum verließ und sich hinter ihre Angreifer drehte. Sie fiel schnell zu Boden und zog einem der Männer die Beine weg. Der andere wich ihrem Manöver aus und trat ihr in die Brust, was sie nach Luft japsend auf dem Asphalt liegen ließ.

Max fuhr mit den Schlägen und Tritten fort, nicht in der Lage, die Verteidigung ihres Kontrahenten zu durchbrechen. Plötzlich brach ein Schlag von ihm durch, landete auf ihrer Wange und zwängte ihren Kopf zurück. Er ging wieder auf sie los, in der Absicht, seinen Vorteil zu vergrößern. Wütend sprang sie auf ihn zu und landete einen Stiefel auf seinen Rippen. Die Kraft schickte ihn fliegend von dem Auto und er krachte gegen die Wand des Gebäudes.

Die Angreifer des Teenagers zogen sie an den Haaren hoch und auf die Füße. „Wenn du das noch mal versuchst, bist du tot,“ flüsterte er bedrohlich in ihr Ohr. Sie antwortete darauf, in dem sie ihren Kopf zurück in sein Gesicht schlug und zwang ihn, zurückzutreten. Sie sprang in die Luft, schwang ihr Arme unter ihre Füße und brachte ihre immer noch gefesselten Hände vor sich. Als ihr Angreifer vortrat, glitt sie hinter ihn, brachte ihre Arme über seinen Kopf und schnitt ihm mit den Handschellen die Luftzufuhr ab. Er kämpfte verbissen, versuchte sie abzuschütteln, aber sie hielt sich mit allem, was sie hatte, an ihm fest.

Als er begann zu kollabieren, stand sein Partner auf und rannte auf sie zu, bereit sie wegzureißen, nur um von Max mit einem grausamen Schlag ins Gesicht aufgehalten zu werden. Auch er fiel auf die Knie und hielt seine Hand vor den Mund, aus dem Blut strömte.

Max deutete ein schnelles Handzeichen zu dem Mädchen, die nur einen Moment später hinter ihr auf dem Motorrad saß.

„Es tut mir leid, Max,“ rief sie in den Wind, als sie sich zurückzogen. „Ich bin von meiner Gruppe getrennt worden.“

„Wie bist du an die Typen geraten?“ fragte Max.

„Sie sind aus dem Nichts aufgetaucht,“ fügte sie zerknirscht hinzu. „Ich habe versucht wegzukommen, aber sie haben mich mit dem Taser erwischt. Sie waren wirklich gut, Max.“

„Ein bisschen zu gut,“ sagte Max bedacht.

 

Gasse in der Nähe der 4th Street, Sektor 7

“Wow, mir ist nie aufgefallen, wir groß Seattle ist,” sagte Lynn und drehte sich zu den X6, die mit ihr gingen. „Hört zu, ich weiß, dass ihr Leute alles entdecken wollt, aber ich gehe zurück. Ich könnt ohne mich weitergehen, ich komme alleine klar.“

„Max hat gesagt, wir sollen zusammen bleiben. Ich werde mit dir zurückgehen,“ entgegnete Peter mit offensichtlicher Enttäuschung.

„Nein, Peter, geh weiter. Mir wird’s gut gehen. Ich bin ein X6, ich kann auf mich selbst aufpassen.“

Peter sah erst Lynn an und dann den Rest der Gruppe. „Okay, dann sei vorsichtig,“ rief er über seine Schulter, als er loslief, um zu den anderen aufzuschließen.

Lynn ging schnell die Gasse hinunter, wobei sie Pfützen und Schlaglöchern auswich.

„Hey, hübsches Mädchen, wohin gehst du in so einem Tempo?“ Ein Betrunkener kam aus dem Schatten, taumelte auf sie zu, mit üblem Mundgeruch und schlechten Zähnen. Lynn reagierte instinktiv, in dem sie ihn griff und in mit Leichtigkeit von sich wegwarf. Sie rannte die Straße hinunter und bemerkte nicht, wie ein anderer Mann schnell sein Handy aus der Tasche zog.

“Wir haben eine, die westwärts Richtung 4th Street geht… Bewegung!” Er folgte Lynn in sicherer Distanz.

Lynn ging schnell als plötzlich ein brauner Sedan ihr den Weg abschnitt. Zwei Männer sprangen hinaus, und, bevor sie sich umdrehen konnte, um wegzulaufen, zogen sie Elektroschockgeräte heraus und begannen, diese einzusetzen, um sie zu überwältigen. Die Stromstöße rannen durch ihren Körper und erlaubten den Männern Handschellen an ihren Handgelenken anzubringen und sie in den Kofferraum zu werfen.

Sie wusste nicht, wohin sie sie brachten, denn das Auto fuhr ständig in Kreisen. Lynn hatte völlig die Orientierung verloren, als sie schließlich ihren Zielort erreichten. Ohne Umstände schleiften sie sie aus dem Wagen und in ein großes, unauffälliges Industriegebäude. Drinnen wurden sie in einen Untersuchungsraum geschleppt. Dort wurden ihr die Kleider ausgezogen. Eine kalte Stimme kam aus dem Schatten. „Kennziffer.“

“X6-713,” antwortete Lynn, und versuchte beschämt, ihre Nacktheit zu verbergen.

Ein großer, räuberisch aussehender Mann kam aus dem Schatten und grinste sie anzüglich an. „Mach dir um die Kleider keine Sorgen, 713. Wir werden dich in deinem neuen Heim mit allem ausstatten, was du brauchst.

„Ave, untersuche sie und stelle sicher, dass sie gesund ist. Oh, und werde das Haar los, sie wird es hier nicht brauchen.“ Der Mann drehte sich um und ging aus dem Raum.

„Was ist...“

„Sei ruhig. Sprich nicht, wenn du nicht dazu aufgefordert wirst. Verstanden?“ Die Frau mit einem roten Bohrer und toten Augen deutete Lynn, sich auf den Tisch zu setzen. Sie untersuchte Lynn schnell und effizient und nahm Blutproben, wie sie sie benötigte. Sie sprach Lynn nie direkt an und sah sie auch nicht an. Als sie fertig war, gab sie Lynn ein Krankenhaushemd. Dann schor sie ihr den Kopf.

Lynn sah die langen dunklen Haare auf dem Boden liegen und begann zu weinen. Sie wurde in einen anderen Raum geführt, in dem große Stahlkäfige waren, gerade groß genug, um darin zu stehen oder zu liegen. Die Tür des nächsten Käfigs war offen und Lynn ging in die Hölle,

 

ENDE VON AKT IV

 

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