AKT III

Joshuas Haus, Sektor 3 – am gleichen Abend

Als Gem die Tür öffnete und das Haus betrat, tauchte Joshuas Kopf im Türrahmen des Schlafzimmers  auf und er flüsterte: „Elfie ist eingeschlafen. Ich habe ihr eine Gutenachtlied vorgesungen und sie ist eingeschlafen.“

„Gut gemacht, Joshua.“ Gem lächelte müde und setzte sich in einen großen Sessel.

Joshua nickte. „Ich muss nachsehen, ob sie unter der Decke liegt.“

Gem sah zu, wie er wieder im Schlafzimmer verschwand und lehnte sich zurück, rieb sich die Augen und ihre Stirn mit ihren Handflächen und versuchte sich ein bisschen zu entspannen. Sie sah auf, als an die Türe geklopft wurde. Alec tauchte auf.

„Hey, Gem!”

„Hey. Was gibt’s? Hast du Feierabend?“

Alec nahm einen der Stühle und setzte sich verkehrt herum auf ihn.

„Sprich mich nicht auf die Arbeit an. Normal war in Hochform und wir mussten den ganzen Tag lang in die Pedale treten. Ich habe ihn nach einem Job bei den Motorradkurieren gefragt, aber er hat mir gesagt, dass es wenigstens für mich möglich sein sollte, Fahrrad zu fahren.“ 

„Normal hat Vorurteile?” fragte Gem überrascht.

„Nein, ich glaube es ist eher der Druck, dem er von seinen Kunden ausgesetzt wird,“ erklärte Alec. „Ich wünschte, ich könnte einfach kündigen und irgendwo anders arbeiten, an einem Ort ohne eine so große Geschichte der Transgenetischen.“

Gem lachte sarkastisch. „Denk nicht mal dran. Ich habe in den letzten Tagen nichts anderes gemacht als nach einem Job zu suchen, aber keiner wird eine alleinerziehende Mutter ohne berufliche Erfahrung und richtige Ausbildung einstellen. Falls du nicht planst der Armee beizutreten, solltest du bei Jam Pony bleiben.“

„Komm schon, Gem, so schlimm kann es nicht sein.“ Alec lächelte sie an, aber seine Augen verrieten die Tatsache, dass er nur versuchte sie zu trösten. „Wir sind stark, schnell, intelligent...“

„Ja, Alec, wir sind stark, schnell, die meisten Menschen da draußen denken, dass wir gefährlich sind, und weißt du was? Sie haben Recht. Wir wurden für geheime Operationen ausgebildet. Wir können da raus gehen und jeden ausspionieren und töten ohne festgenommen zu werden,“ gab Gem zurück, dann zögerte sie. „Tut mir Leid.“ entschuldigte sie sich. „Es ist nicht deine Schuld.“

Alec nickte, unsicher was er sagen sollte, besonders weil Joshua zurückgekommen war und Gems letzten Satz offenbar gehört hatte.

„Immer noch kein Job für Gem?“ fragte er.

Gem schüttelte den Kopf und lächelte traurig. „Nein, Joshua, immer noch kein Job für mich.“

„Aber wenn du gut in geheimen Operationen bist, wieso suchst du dir keinen solchen Job?“

Seine unschuldige Frage brachte sogar Alec zum Lächeln, und er erklärte, „Geheime Operationen endeten in Manticore normalerweise damit, jemanden umzubringen, Großer. Das ist keine gute Sache.“

„Aber ihr müsst keinen umbringen. Ich sehe Filme. Da sind immer diese Männer in Trenchcoats, die spionieren und ermitteln. Sie töten nicht immer.“

Gem nickte. „Privatdetektive. Ja, Joshua, du hast Recht. Sie existieren und sie töten nicht, es sei denn, sie haben keine Wahl. Aber keiner von ihnen wird uns einstellen. Wir sind schließlich immer noch Transgenetische.“

Alec nickte, in Gedanken vertieft, bis ein breites Lächeln auf seinem Gesicht erschien.

„Wenn uns also keiner einstellen will, wieso machen wir uns dann nicht selbstständig?“ schlug er grinsend vor.

Gem sah verwirrt drein. „Selbstständig machen? Du machst Witze. Was willst du machen? Hamburger für die Freaks in Terminal City?“

„Kochen? Ich? Das war nicht mein Absicht, aber ich glaube, Joshua hatte die richtige Idee. Wir wurden zu geheimen Operationen ausgebildet, oder? Und du hast gesagt, dass uns kein Privatdetektiv einen Job geben würde. Starten wir doch unsere eigene Privatdetektiv Agentur.“

Joshua wurde ganz aufgeregt. „Toll, Alec!“ rief er, bis er sich an die schlafende Elfie erinnerte und seine Hand auf den Mund legte.

Gem lächelte auch. „Ja, das ist wirklich eine gute Idee. Du kannst deinen ganzen Charme dazu einsetzen uns Klienten zu beschaffen. Wir können mit unabhängigen Transgenetischen arbeiten. Ich kann uns die Jobs organisieren und die richten Leute dazu bringen sie auszuführen. Das könnte wirklich funktionieren.“

„Nicht ‘könnte’, Gem, es wird funktionieren.” versicherte Alec

„Gem und Alec haben neue Jobs,“ sagte Joshua. „Joshua wird sich um Elfie kümmern.“

 

Seattle Superstar Show Büros, Seattle – 2. Dezember, nachmittags

Original Cindy versicherte sich, dass das kleine Gerät, das Logan ihr gegeben hatte, an seinem Platz war, bevor sie vor den Empfangsschalter trat.

„Kann ich Ihnen helfen?“ fragte die hübsche, junge Frau.

Original Cindy nickte. „Können Sie, Schwester. Ich bin wegen eines Interviews für diese Show hier, die sie machen.“

 „Seattle Superstar?”

„Genau die.”

Die junge Frau nickte und überprüfte eine Akte. „Sie müssen Cynthia McEachin sein. Das Casting-Büro ist im vierten Stock. Die zweite Türe auf der rechten Seite.“

Original Cindy nickte und ging auf den Aufzug zu. Als sich die Türe öffnete, trat sie hinein und seufzte leise. „Logan, ich hoffe wirklich, du weißt, was wir hier tun.“

„Original Cindy, ich weiß immer, was ich tue.“ kam Logans unerwartete Antwort in ihrem Ohr und sie sprang auf. Glücklicherweise war die Aufzugskabine leer.

„Junge, du bringst mich um. Ich habe daran gedacht, die Wanze auf meinem Shirt zu überprüfen, aber dieses Ding in meinem Ohr macht mich wahnsinnig. Ich kann immer noch nicht glauben, dass du in meinem Kopf bist.“ murmelte Original Cindy.

„Die Wunder der modernen Technik. Sorge nur dafür, dass du nicht das vergisst, was wir dir gesagt haben. Keine Freunde, keine Familie, du lebst allein.“

„Ja, ich weiß. Kein Problem. Logan, ich muss jetzt den Mund halten.“ flüsterte Original Cindy. „Ich bin da.“

„Wir sind bei dir.“ beruhigte Logan sie. „Wir haben direkt vor dem Gebäude geparkt, und wenn die Sache schief läuft, wird Max da sein.“

 

In Logans Wagen vor dem Gebäude

„…wird Max da sein.” Logan hörte auf in das Funkgerät zu sprechen und sah zu Max hinüber, die neben ihm saß. „Bist du sicher, dass sie ihre Sache gut macht?“ fragte er sie.

„OC?“ fragte Max ungläubig. „Logan, ich glaube daran, dass sie in einem früheren Leben Schauspielerin war. Was ist los mit dir?“

Logan antwortete nicht und hörte dem Interview zu, das aus dem Casting Büro zu einem kleinen Lautsprecher übertragen wurde. „Smith und Jones?“ murmelte er. „Das sind die schlechtesten gefälschten Namen, die ich je gehört habe,“ sagte er zu niemand bestimmtem, als er hörte, wie sich die Casting Leute selbst vorstellten.

Max war von Original Cindys Interview nicht so fasziniert wie Logan und starrte weiter aus dem Seitenfenster, bis sie unruhig wurde und sich umdrehte, um ihn anzusehen. „Logan, sie macht sich gut. Wieso bist du so nervös?“

Logan konnte dem Blick auf ihrem Gesicht nicht standhalten und sah weg, starrte durch die Frontscheibe. Nur seine Finger, die auf das Lenkrad klopften, verrieten seine Angespanntheit.

„Erinnerst du dich daran, als du versprochen hast, dass du mir sagen würdest, wenn etwas nicht stimmt?“ fragte Max. „Du bist nicht wirklich um Original Cindy besorgt, oder?“

Logan zuckte mit den Schultern. „Ich will sie nicht in Gefahr bringen.“

„In einem Interview? Du bringst dich selbst täglich in größere Gefahr als das hier. Nicht nur in Terminal City, sondern schon seit ich dich kenne. Sogar nachdem du angeschossen wurdest, hast du damit nicht aufgehört. Du bist immer um andere besorgt, aber nie um dich selbst.“

Logan seufzte. „Max, ich bin nichts, um das man sich Sorgen machen muss. Mir geht’s gut,“ sagte er, immer noch aus dem Wagen starrend.

„Ach ja? Und wieso trägst du dann das Exo, wenn du einfach nur fährst?“ fragte Max ärgerlich.

„Weil es gefährlich werden könnte und ich vielleicht den Wagen verlassen muss. Schau her, ich hab es nicht mal angeschaltet,“ murmelte Logan zurück und zeigte ihr den Schalter.

Max nickte, schob ihre Hand hinter seinen Nacken und zwang ihn sanft, sie anzusehen. „Benutzt du deswegen die Handbedienung?“ fragte sie ihn, so vorsichtig, wie es ihre Gereiztheit zuließ.

„Hör auf damit, okay? Das Exo ist schwer, wenn es ausgeschaltet ist. Macht das Fahren schwer,“ war Logans unbeholfene Antwort.

„Und wieso schaltest du es dann nicht ein?“ schlug Max vor.

Logan stöhnte. „Max, lass es einfach. Ich will nicht weiter über das Exo reden, okay?“

„Juhu, zurück zum Ausgangspunkt,“ sagte Max und überdeckte die Enttäuschung in ihrer Stimme mit Sarkasmus, während sie sich abwandte, um wieder aus dem Fenster zu starren. Sie seufzte. Ihr Spiegelbild im Fenster sah klein und verloren aus und betrog ihre unvorsichtigen Worte.

 

Casting Büro – zur selben Zeit

Original Cindy klopfte an und betrat den Raum. „Hey, ich heiße Original Cindy. Ihr seht Seattles neuen Superstar,“ sagte sie lächelnd, und die zwei Männer die im Büro gewartet hatten, standen auf, um ihr die Hand zu geben.

„Original Cindy, schön Sie zu sehen. Ich bin Robert Smith und das ist Michael Jones,“ sagte der ältere Mann mit einem schmierigen Grinsen, und stellte sich und den jüngeren Mann neben sich vor. „Haben Sie das Anmeldungsformular ausgefüllt?“ 

Der jüngere Mann, ein Typ Anfang dreißig, nickte. „Ja, hat sie. Ich habe es hier. Darauf steht allerdings, dass Ihr Name Cynthia McEachin lautet.“

„Das stimmt, aber mein Bühnenname ist Original Cindy.“

Michael lächelte. „Also haben sie vor, eine Comedy-Vorstellung zu geben?“ Als Original Cindy nickte, fuhr er fort. „Könnten Sie uns eine Probe geben?“

Original Cindy nickte. „Könnte ich schon, aber ich glaube nicht dass ich das tun werde. Junge, sie werden alle guten Witze schon vor der Show wissen.“

Beide Männer lachten mit ihr und Robert sagte, „Sie haben Recht. Also keine Probe. Sie arbeiten bei Jam Pony, stimmt das?“

„Das stimmt, so wahr ich hier stehe. Aber ich würde diesen bedauernswerten Job so schnell kündigen, wie vorher noch nie jemand einen Job gekündigt hat, wenn ich die Show gewinnen würde,“ antwortete sie.

„Haben Sie schon Pläne gemacht, was sie mit dem Geld anstellen werden?” fragte Michael.

„Pläne? Ich habe schon fast alles davon ausgegeben. Sehen Sie mal, ich habe mit dieser Freundin von mir zusammengelebt. Da stellt sich raus, dass sie ’ne Transgenetische ist. Nur eine Minute später hatte ich meine Sachen gepackt. Kann man denn glauben, dass sie mich die ganze Zeit angelogen hat? Jetzt habe ich diese neue Wohnung, aber sie ist sehr teuer...“

„Ich verstehe.“ Robert nickte verständnisvoll, und machte sich Notizen in die Akte, die Michael ihm gegeben hatte. „Diese Transgenetischen sind überall, nicht wahr? Ich wünschte sie wären immer noch in Terminal City eingesperrt. Ich würde mich viel sicherer fühlen in dieser Stadt.“

Original Cindy zuckte mit den Schultern und sagte nichts zum Thema, bis Robert fortfuhr.

„Sieht so aus, als ob sie eine gute Kandidatin für unsere Show wären, aber sie verstehen, dass wir viele Anwärter für jede Show haben und Ihnen nicht sofort mitteilen können, ob sie dabei sein werden.“

Original Cindy nickte, während er weitersprach.

„Die letzte Sache, Original Cindy, ist die Eintrittsgebühr. Eine Show wie diese ist teuer, also müssen wir unseren Anwärtern eine Anzahlung berechnen. Ist das okay?“ fragte Robert.

„Ja, das verstehe ich. Im Anmeldungsformular stand, dass sie $5,000 brauchen?“

Robert nickte. „Leider ja. Wir hoffen, dass wir diese Show eines Tages ohne finanzielle Unterstützung unterhalten können.“

„Hey, Fünftausend sind viel Geld, aber ich habe vor zu gewinnen und viel mehr zurückzubekommen.“ Original Cindy lächelte, während sie den Umschlag aus ihrer Tasche nahm, den Logan ihr gegeben hatte.

Robert nahm das Geld. „Vielen Dank. Ich hoffe wir sehen uns bald wieder.“

“Das hoffe ich auch.” Original Cindy nickte. Sie reichte beiden Männern die Hand, bevor sie das Büro verließ.

Zurück im Aufzug lehnte sie sich gegen den Spiegel an der hinteren Wand und murmelte: „Das war’s. Ich komme zurück.“

 

In Logans Wagen vor dem Gebäude

„Das war’s. Ich komme zurück,“ knisterte Original Cindys Stimme durch die Lautsprecher.

Eine Minute später, öffnete sich die Hintertür und Original Cindy stieg in den Wagen. „Was ist passiert? Man kann die Spannung in diesem Auto förmlich spüren!“ fragte sie, und sah Max und Logan vor ihr mit einem verwirrten Blick an.

“Gar nichts!” gaben Max und Logan gleichzeitig zurück.

 

Jam Pony, Seattle

Max schob ihr Rad die Rampe des Jam Pony Gebäudes hinunter und lehnte es gegen die Wand.

„Hey, Fräulein, bereit für die nächste Fahrt?“ schrie Normal ihr zu, aber Max winkte nur mit der Hand und ging zu den Tischen hinüber. „Max, es gibt Pakete, die ausgeliefert werden müssen!“

Schließlich wendete sie sich Normal zu und schrie zurück, „Ich weiß, Normal. Aber sogar ein transgenetisches Mädchen kann nicht so viele Beleidigungen an einem Tag vertragen. Ich hab’ Pause.“

Normal seufzte, doch er hörte auf zu schreien und ging stattdessen an das klingelnde Telefon.

Max setzte sich neben Original Cindy und streckte ihre Arme.

“So viele Beleidigungen?” fragte Original Cindy.

Max zog eine Grimasse. „Reden wir nicht drüber. Hast du vom Casting-Vorstand gehört?“

„Nein, noch nicht. Willst du ein Sandwich?“ bot Original Cindy ihr an. Bevor Max antworten konnte, fing Normal wieder an zu schreien.

„Hey, Original Cindy! Da ist jemand in der Leitung. Er sagt, er muss dich sprechen.“

Original Cindy sprang auf, ging zu ihrem Boss hinüber und schenkte Max einen vielsagenden Blick. Bevor Normal auch nur anfangen konnte, sagte sie zu ihm, „Ja, ich weiß: Das ist das Geschäftstelefon. Es dauert nicht lange, und außerdem hab ich Mittagspause.“

Sie griff nach dem Hörer und sagte, „Ja?”

„Original Cindy?“ fragte eine männliche Stimme.

„Wer ist da?“

„Hier ist Michael Jones von Seattle Superstar. Ich rufe an, um Ihnen zu sagen, dass Sie es geschafft haben.“

„Hab ich das?” fragte Original Cindy überrascht und winkte Max näher zu sich.

„Sie sind diese Woche in der Show. Sorgen Sie nur dafür, dass Sie pünktlich sind. Die Show beginnt um fünf, also sorgen Sie dafür, dass Sie nicht später als vier auftauchen, okay?“

Original Cindy lächelte. „Natürlich. Danke für den Anruf!”

Als sie auflegte, drehte sie sich zu Max um, die neben ihr stand. „Mitgehört?“

Max nickte. „Ja, also bist du dabei?“

„Ich bin drin. Musst du Logan anrufen?“

 

Sektor 5,  Seattle – am Nachmittag

„Bist du sicher, dass das eine gute Idee ist?“ fragte Gem Alec, der neben ihr die Straße entlangging.

„Hast du ’ne bessere Idee? Wir können es uns nicht leisten, ein Büro im Hochhausviertel zu mieten und ich glaube nicht, dass wir damit enden wollen, Seattles Zeitungen nach Mietbüros zu durchsuchen, weil wir uns die auch nicht leisten können. Hast du ne bessere Idee, als herumzulaufen und nach einem Ort Ausschau zu halten, wo wir uns einrichten können? Wenn ja, sag’s mir.“

Gem, die angehalten hatte, stöhnte, beschleunigte dann aber, um neben ihm zu bleiben. Sie rannte fast an ihm vorbei, als er plötzlich stehen blieb.

„Was hältst du von diesem Ort hier?“ fragte Alec und deutete auf die großen Fenster eines verlassenen Waschsalons.

„Musst du Wäsche waschen?” fragte Gem und zog ihre Augenbrauen hoch.

„Das ist doch der perfekte Ort, oder? Von der Straße sieht es wie ein Waschsalon

aus, aber ich bin mir sicher, dass es auf der Rückseite ein Büro gibt. Gehen’ wir’s rausfinden!“ Alec wartete nicht auf Gems Reaktion, sondern ging zur Rückseite des Gebäudes und knackte das Schloss der Hintertüre, um sich Zugang zu verschaffen.

Der Raum, in dem er stand, war in der Tat eine Art Büro, oder war es einmal gewesen. Es gab ein paar zurückgelassene Regale und Schränke, aber die meisten Möbel waren zerstört worden. Der Tisch war zerbrochen, und Akten und Unterlagen lagen herum. Alec trat durch die Türe auf der anderen Seite – ein Paar roter Schwingtüren mit einem runden Fenster in jeder von ihnen – und betrat den Raum, den sie von der Straße aus gesehen hatten. Die Waschmaschinen hatten alle schon bessere Tage gesehen, aber die meisten von ihnen sahen aus, als könnten sie repariert werden. Als Alec den Lichtschalter betätigte, flackerten grüne Neonröhren in den Fenstern auf und ließen Gem, die schließlich gefolgt war frösteln.

„Huh, dieses Licht ist schrecklich. Und dieser Ort ist ein einziges Chaos,“ bemerkte sie.

„Wir haben Terminal City bewohnbar gemacht, also können wir es mit diesem Ort hier auch machen,“ sagte Alec zu ihr.

„Ich muss zugeben, dass ein Waschsalon seine Vorteile hat.” sagte Gem. „Denk mal an all die Transgenetischen, die nicht wissen, wo sie ihre Kleider waschen sollen. Sie können es hier tun, während wir im hinteren Büro arbeiten.“

Alec grinste. „Ich kann es fast schon in den Fenstern lesen: ‚Waschen sie ihre Kleider für $2.50 – 10% Rabatt für Transgenetische’.“

Gem lachte und nickte. „Ja, so was in der Art. Und wie wollen wir unser kleines Geschäft nennen?“

„Äh, das können wir später noch entscheiden,“ antwortete Alec. „Aber heißt das, dass wir hier einziehen?“

Gem lächelte. „Es gibt sogar einen Kanalisationsschacht da hinten. Joshua kann den Schacht hinter seinem Haus benutzen um herzukommen und alles zu besichtigen.“

„Ja. Joshua kommt her und besichtigt alles.“ Sie hörten eine Stimme hinter ihnen und drehten sich um, um den hundeartigen Transgenetischen anzusehen.

„Joshua?!” fragte Gem überrascht. „Wie bist du hier her gekommen?”

„Hab mich in den Schatten versteckt.“ antwortete er. „Musste wissen wo ihr hingeht. Mir gefällt dieser Ort.“

Gem nickte. „Es ist seltsam hier, aber ja, mir gefällt es auch. Also, wo fangen wir an?“ fragte sie. „Wir müssen alles sauber machen, die Sachen reparieren, die wir brauchen, und die Sachen wegwerfen, die wir nicht brauchen. Aber obwohl wir viele dieser Sachen hier wiederverwenden können, fürchte ich, dass wir investieren müssen, und ich habe kein Geld.“

Joshuas Gesicht wurde traurig. „Joshua hat auch kein Geld.“ Dann hellte sich sein Gesicht auf. „Vielleicht kann Alec ein paar von meinen Gemälden verkaufen?“

Alec schüttelte seinen Kopf und zwinkerte. „Nicht nötig. Ich kann schneller Geld auftreiben. Ich wollte schon seit langem unbedingt meine alten Einbrecher- und- Einsteiger Fähigkeiten trainieren. Gut, können wir loslegen?“

Gem und Joshua nickten und lächelten vorfreudig.

 

Joshuas Haus- am Abend

Joshua saß im Lehnstuhl und versuchte ein Buch zu lesen, aber seine Augen suchten ständig das Fenster ab. Schließlich stand er auf und ging zu ihm hinüber, starrte hinaus, bis er sah, dass Gem nach Hause kam. Sie trug zwei große Tüten.

Er ging zur Tür und öffnete sie, um sie hereinzulassen, und sorgte dafür, dass er von der Straße aus nicht gesehen werden konnte.

„Hey.” grüßte er sie.

„Hey, Joshua. Kannst du mir mit den Tüten helfen?“

„Was ist da drin?“ fragte er.

„Sachen für die Agentur. Alec hat mich zum Einkaufen geschickt.“ Sie lächelte und reichte Joshua eine der Taschen.

Er nahm sie und folgte Gem in die Küche, wo er die Tüte auf den Tisch stellte und ins Wohnzimmer zurückkehrte. Gem blieb einen Moment lang in der Küche, sah zu, wie Joshua ging, dann folgte sie ihm hinaus.

Joshua saß wieder im Lehnstuhl und starrte in die Luft.

Gem stellte sich neben ihn. „Was machst du da?“ wollte sie wissen.

„Nichts.“ antwortete Joshua knapp.

„Wieso?“ fragte Gem weiter.

„Weil es nichts für mich zu tun gibt. Ich habe Elfie ins Bett gebracht und das Haus sauber gemacht.“

„Und wieso liest du dann kein Buch, oder malst?“ schlug Gem vor.

Sie trat zurück, als Joshua plötzlich aufsprang und wild gestikulierte.

„Weil ich gelangweilt bin von der Malerei. Das ist das einzige was ich kann. Auf Elfie aufpassen und malen. Ich will mehr tun, aber da draußen ist es zu gefährlich. Mole hat Recht – für Joshua gibt es immer nur die Kanalisation. Oder den Keller,“ rief er wütend.

“Aber Joshua, das ist...“ begann Gem, aber ihr großer Freund unterbrach sie.

„Nein, hör auf damit. Joshua will einen Job wie Gem und Alec. Ich will dabei helfen die Agentur aufzubauen. Ich will auch ein Privatdetektiv sein. Nicht nur ein Babysitter.“

Gem wartete geduldig, bis sich Joshua beruhigt hatte und schließlich stand er wieder vor dem Fenster und schaute traurig hinaus.

Sie legte ihre Hand auf seinem Arm und sagte leise, „Aber es ist nicht der richtige Zeitpunkt, Joshua. Noch nicht. Im Moment hilfst du mir so sehr auf Elfie aufzupassen. Ich wüsste nicht, wie ich noch etwas anderes tun sollte, wenn du nicht da wärst.“ versicherte sie ihrem Freund, der auf sie hinunter sah. Sein Blick war noch immer traurig, aber Hoffnung funkelte in seinen Augen.

“Meinst du, dass ich mich eines Tages nicht mehr verstecken muss?”

„Ja. Ich glaube daran, dass Transhumane eines Tages gleichberechtigte Mitglieder der amerikanischen Gesellschaft sein werden,“ sagte sie und lächelte zuversichtlich. „Doch bis dahin musst du vorsichtig sein. Ich verspreche dir aber, dass du unser Gast bei der Einweihungssparty sein wirst.“

„Eine Party?“ fragte Joshua überrascht.

„Ja, wir werden eine Party schmeißen, sobald alles fertig ist.“

Ein Lächeln erschien auf Joshuas Gesicht. „Cool.“

 

ENDE VON AKT III

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